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Die Frühere Abtei Sankt Nabor

Aus der Geschichte der Abtei und der Kirche

Der Überlieferung zufolge hat Sankt Fridolin, ein irischer Mönch, während seiner Missionsreise nach Deutschland das Kloster Saint-Avold in den Jahren 506-510 gegründet. Dieses in seiner Anfangsphase kleine Kloster genoss den Schutz der Metzer Bischofe, die es, wie der Hl. Sigisbaud 720, mit Gütern beschenkten. Sein Nachfolger, der Hl. Chrodegang, setzte diese Politik fort. Er brachte 765 aus Rom die Reliquien des Hl. Nabor mit, eines römischen Offiziers, der als Christ unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod starb. Das Kloster hieß fortan « Sankt-Nabor» (Saint-Nabor). lm Mittelalter entstand ein blühendes Städtchen, das im Laufe der Zeit den Namen der Abtei übernahm, welcher infolge sukzessiver Formveränderungen schließlich zu «Saint-Avold» wurde. Angilram, Nachfolger des Hl. Chrodegang, führte als großer Reformator die Regeln des Hl. Benedikt ein. Er ließ eine prächtige Kirche bauen, die Ende des 15. Jahrhunderts vom Abt Adam von Rupeldingen durch einen neuen Bau ersetzt wurde. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde dieser vergrößert und im 18. Jh. schließlich abgerissen.

Leopold Durand (1666-1749), Benediktinermönch und berühmter Architekt, entwarf nach Bauten in Moyenmoutier und Echternach die Pläne einer neuen Kirche, die zwischen 1755 und 1769 entstand. Dieser Bau wurde von Maurern und Steinmetzen aus Süddeutschland, Tirol, Frankreich sowie Lothringen realisiert. Das Klostergebäude, in Form eines U, dessen Schenkel auf der Südseite (siehe rechten Teil des beigefugten Plans) mit der Kirche verbunden sind sowie die Residenz des Abtes wurden zwischen 1720 und 1745 vollständig neu errichtet. Die glanzvolle Geschichte der Abtei endete 1791 mit der Französischen Revolution und der Auflösung aller Klöster. Die Klosteranlage wurde als Staatseigentum verkauft, wodurch sie in der Folge große Schäden erlitt. Dank der Gemeinde und ihres sehr engagierten Anwalts und Historikers Nicolas Pascal Gerardy (1714-1793), die für Saint-Avold die Übergabe des Gebäudes an die Staatsverwaltung verhandelten, wurde die Abteikirche gerettet. Durch ein Dekret vom 10. September 1792, von Danton selbst unterschrieben, wurde die leerstehende Abteikirche ihrer neuen Bestimmung übergeben. Sie diente von dieser Zeit an als neue Pfarrkirche und ersetzte die als baufällig geltende ehemalige Stadtkirche Sankt Peter und Paul, die entweiht und an Privatpersonen verkauft wurde. Der Luftangriff der Alliierten vom 9. November 1944 beschädigte das Gebäude schwer. Die Arbeiten zur Beseitigung der Kriegsschäden dauerten bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude und die Kunstwerke in der Kirche stehen seit 1930 unter Denkmalschutz.


Besonderheiten und Architektur

Der Bau wurde mit buntem Sandstein aus Sankt-Avolder Steinbrüchen errichtet. Die Kirche zieht die Aufmerksamkeit des Beobachters vor allem durch ihr erhabenes, harmonisches Aussehen auf sich, mit ihrem hohen Schieferdach, ihrem hohen massiven Glockenturm und ihren eleganten, mit Laternen ausgestatteten Zwiebeltürmen, die den Chor umrahmen. Das Gebäude vom Typ Hallenkirche, kreuzförmig, mit kurzem Querschiff, nach Osten orientiert, ist geprägt yom französischen Klassizismus: elegante bauchige Säulen mit korinthischen Kapitellen, Gewölberundbögen und breiten Fensteröffnungen, durch die das Licht reichlich hereinströmen kann. Das Ganze wird schließlich durch einen Hauch Barock aufgewertet. Die Außenmaße des Gebäudes betragen 67,5 m in der Länge und 28 m in der Höhe im Querschiff. Vom Bodenplattenbelag bis zum Dach ist die Kirche 30 m hoch. Der Glockenturm misst 45 m, der Nordturm fast 53 m.


Die Fassade

Die Fassade des Baus ist im klassischen Stil gehalten. Die Wandpfeiler im Erdgeschoss hingegen sind vom ionischen Stil geprägt. lm ersten Stock findet sich eine Stilmischung aus ionisch und korinthisch, wogegen man im zweiten Stock ausschließlich auf korinthischen Stil trifft. Die Nische im ersten Stock enthält die sogenannte «Glaubensstatue» (la Foi). Sie wurde von dem aus Namur stammenden Bildhauer Pierre François Leroy (1739¬-1812) für den Metzer Dom entworfen. Diese klassizistisch geprägte Statue wurde in den Jahren 1764-1766 am Dom Portikus vom königlichen Architekten Jacques François Blondel (1705¬-1774) aufgestellt. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten leitete Paul Tomow (1848-1921), Bezirksbaumeister und Konservator, die Arbeiten am Metzer Dom. Sein Hauptwerk waren der Ausbau der Westfront mit der Errichtung eines neuen Westgiebels (1897), der Abriss des klassizistischen Portikus Blondels und der Neubau eines neogotischen, mit reichen Skulpturenprogrammen ausgeschmückten Westportals, dessen Einweihung 1903 erfolgte. Infolgedessen wurde Blondels Statue entfernt und 1898 nach Saint-Avold gebracht. Ihre Begleiterin, «die Hoffnung» (l'Espérance), ziert die Fassade der Mariahilf-Basilika seit demselben Jahr.



Der Innenraum


Chor


Um die Nische mit der Statue des HI. Nabor (1), römischer Offizier, Märtyrer und Schutzherr der Pfarrei, entfalten sich wunderschöne Holzvertäfelungen: Es handelt sich hierbei um Holzverkleidungen von 4,60 m Höhe und um 42 Chorstühle, welche vom Holzschnitzer Jacques Gounin hergestellt wurden. Die rechts eingefasste gemalte Leinwand stellt die Himmelfahrt Maria dar (2). Sie wird dem berühmten Kunstmaler Joseph Melling (1724-1796) aus Saint-Avold zugeschrieben. Dieser übte seine künstlerische Tätigkeit größtenteils im Badischen und im Elsass aus. Diesem Gemälde wurde ein weiteres gegenübergestellt, das den Gekreuzigten (3) nach Anthonis van Dyck (1599-1641) darstellt. Das Gemälde wurde am 30. April 2010 erworben und wird dem französischen Kunstmaler Jean André Rixens (1846-1925) zugeschrieben. Es ist eine Leihgabe des Justizministeriums und befand sich von 1869 bis 2001 im Justizpalast von Metz. Es ersetzt ein seit 1944 verschwundenes Bild, ebenfalls von Melling, welches die Auferstehung Christi darstellte. Das Dekor wird durch sehr schöne Kredenzen aus dem 18. Jh. ergänzt. Das gesamte Kunstgebilde wird überragt von einem herrlichen «Heiligenschein» (Gloire) (1) mit Goldstrahlen und einer Wolkenkrone aus Stuck, aus welcher Engelsgestalten hervortreten. Das Ganze umrahmt ein domenumringtes, durchbohrtes Herz. Der obere Teil dieses gewaltigen Motives, etwa in derselben Größe, wurde bei den Wiederaufbauarbeiten nach dem Krieg leider irrtümlicherweise entfernt.

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Das Querschiff

Rechts über dem Marienaltar hängt ein polychromes Holzkreuz rheinischer Prägung aus dem 15. Jh. (4). Es stellt die Kreuzigung Jesu dar und wurde vom Kommendator Abt Jean des Porcelets de Maillane, Gründer des Dorfes Porcelette, der 1624 verstarb, renoviert. Rechts und links am Fuße des Kruzifixes stehen Maria und der Hl. Johannes. An den Enden des Kreuzes erkennt man die Symbole der vier Evangelisten: Johannes (oben), Markus (unten), Matthäus (links) und Lukas (rechts). Jean des Porcelets de Maillane, Bischof von Toul, hat als großer Reformator seiner Zeit die Abtei 1607 der Kongregation Saint-Vanne und Saint-Hydulphe angeschlossen und ihr dadurch einen neuen geistigen und kulturellen Aufschwung und verstärkten Einfluss verliehen. Der gotische Taufstein stammt aus der ehemaligen Stadtkirche Sankt Peter und Paul. Seit 2003 schmückt eine neu restaurierte Nikolaus-Statue die linke Nische des Querhauses. Diese in barockem Stil gehaltene Holzstatue aus der zweiten Hälfte des 18. Jhdt. stammt ebenfalls aus der Stadtkirche Sankt Peter und Paul. Am Eingang zum Chor steht ein Teil der Kanzel (5), die 1924 von der Firma Boehm aus Mulhouse hergestellt und im Krieg 1944 zerstört wurde. Das Foto zeigt sie in ihrer ursprünglichen Gestalt und Lage.


Das Hauptschiff

lm hinteren Teil des linken Nebenschiffs befinden sich ein aus der zweiten Hälfte des 15. Jhdt. stammender, in die Wand eingebauter Altaraufsatz der Mutter Gottes sowie eine in Stein gehauene Gruppe (1490-1520), die die Grablegung Jesu (6) darstellt. In unmittelbarer Nähe steht ein Beichtstuhl im Muschelwerkstil, welcher 1912 von dem Colmarer Bildhauer Theophile Klem hergestellt wurde. Er schuf auch 1910 die Orgelempore. Ein zweiter Beichtstuhl wurde 1944 zerstört. Der heutige Hauptaltar wurde 1965 aus geretteten Elementen dieses zweiten Stuhls errichtet. lm hinteren rechten Teil des Nebenschiffs finden sich Statuen aus dem 19. Jh. Diese Gruppe stellt die Heilige Familie, den Hl. Antonius von Padua und den Hl. Joseph dar. Letzterer wurde 1961 von einem KünstIer aus Saint-Avold, Helmuth Müller (1910-1989), geschnitzt. Die große Orgel (7) ist das Werk des berühmten, aus den Vogesen stammenden Orgelbauers Barthélémy Chevreux, der 1770-1771 in Saint-Avold arbeitete. Das Orgelgehäuse wurde von Jacques Gounin geschnitzt. Dieser KünstIer, der im Dienste der Saarbrücker Grafen und der Herzöge von Zweibrücken zahlreiche kunstvolle Holzschnitz- und Bildhauerarbeiten in Kirchen ausführte, schnitzte auch die Täfelungen des Chors in den Jahren 1769-1770. Er schuf außerdem die Trommeltür, die zum Hauptschiff führt. Der gesamte Orgelkomplex wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und die vollständige Restaurierung konnte erst 1987 abgeschlossen werden.


Die Vorhalle

Am Eingang der Kirche befindet sich ein in der Wand eingelassener Grabstein des Abtes Adam von Rupeldingen (1484-1514) (8), der die Bürsfelder Reform von Sankt Maximin (Trier) aus in die Abtei Sankt Nabor einführte. Dieser Grabstein stammt aus der Krypta der Kirche, die gewöhnlich zur Bestattung der Äbte und Mönche diente. Er wurde 1965 in die Nordmauer eingefügt.


Die Kirchenfenster

Sie sind mit einer Gesamtfläche von 420 m2 das Werk des Künstlers und Glaskünstlermeisters Arthur Schouler (1927-1984) aus Saint-Avold. Sie entstanden in den Jahren 1969-1971 aIs Ersatz der von der Firma Franz Xaver Zettler aus München 1910 eingesetzten Fenster, die dem Luftangriff von 1944 zum Opfer fielen. Diese modernen Kirchenfenster fügen sich harmonisch in die Ausstattung der Kirche ein.

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Foto : Lucien Antoine



Texte réalisé par Pascal FLAUS avec le soutien et la correction de
Daniela DORNER, enseignante à l’université de Vienne
et Jörg SÄMANN, directeur de la Bibliothèque de Merzig
que nous remercions chaleureusement.