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Faulquemont gestern und heute

Eine alte von Menschen bewohnte Ansiedlung


Spuren von Menschen wurden entlang der Nied in der Nähe von Faulquemont bereits um 9800 v. Chr. gefunden. Die wichtigeren von 1934 bis 1936, danach von 1990 bis 1993, durchgeführten Ausgrabungen haben den Archäologen ermöglicht, die galloromanischen Ansiedlungen in Chémery – aber auch in Faulquemont - vom ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. zu entdecken. Man stellte dort feines Geschirr, Krüge, Amphoren und Ziegel her. Die berühmten Töpfer hießen Satto und Saturnius.



Abguss eines Teils einer Keramikvase mit Siegel aus dem Atelier von Chémery-Faulquemont


Ein Städtchen im Schatten der Burg : von der Familie Malberg zu der Familie Haraucourt

Faulquemont wird zum ersten Mal im Jahre 1119 erwähnt, dann 1210, unter dem Namen Falconismons. Es ist Eigentum der Bischöfe von Metz, die ihre Vasallen im Schatten einer Burg ernennen, die in einer der Schleifen der deutschen Nied errichtet wurde. Diese Ländereien wurden aus noch unbekannten Gründen um 1150 an die aus der Gegend von Trier stammende Malberg-Dynastie übertragen, die dort eine Herrschaft gründet. Im XIV. Jahrhundert verlässt diese wichtige Familie, indem sie einen Teil ihrer ursprünglichen Gebiete beibehält, ihren Bergfried von Faulquemont und lässt sich in Fénétrange nieder. Sie vertrauen die Bewachung der Burg Vasallen an.

1382 überträgt Obry de Fénétrange durch eine Klausel seines Testaments:" den Bergfried, die Burg, die Festung und die Stadt von Faulquemont an Henri, Lehnsherrn von Blâmont und an Dame Wallerange, seine Ehefrau". Eine Stadt entwickelt sich im Schatten der Burg. Diese Stadt wird nicht freigemacht. Ein Dokument von 1481 spricht von „arme lude", armen Einwohnern von Faulquemont. Die Leute sind die Untertanen des Lehnsherrn, der Bürgermeister und Schöffen ernennt, Recht spricht und die Steuern erhebt. Die Stadt und ihre Ländereien treten Anfang des XIV. Jahrhunderts durch die Ehe von Marguerite de Fénétrange, Erbin von Simon de Fénétrange, in den Schoß des Hauses von Haraucourt ein.

Diese mächtige lothringische Familie unterstützt Karl den Kühnen gegen den Herzog, der nach seinem Sieg das Landgut von Faulquemont beschlagnahmt. André d' Haraucourt erhält am 27. Juni 1482 den Besitz seines Hab und Guts zurück. Faulquemont ist eine Pfarrgemeinde deutscher Sprache. Eine Pfarrkirche wird 1360 erwähnt. Ein neuer Altar wird in einer 1377 neu gebauten Kirche errichtet.


Faulquemont, Hauptort einer Markgrafschaft im Sturm der Kriege


Ab 1550-1560 gelingt es den Herren von Haraucourt, durch eine geschickte Erwerbspolitik ihr Gebiet zu vergrößern.

Sie lassen das Dorf Chémery1587, und Redlach 1607, errichten.

Andere Lehen und Ländereien werden 1593 durch Kauf erworben, wie Guenviller, Marienthal, Merlebach und die Grafschaft von Dalem. 1625 ist der Markgraf Eigentümer von 7/8 des Landgutes. Den Herzögen von Lothringen sehr nahe stehend und ihnen getreu in der Verwaltung und in der Armee dienend, wird die Familie von Haraucourt für ihre Dienste am 4. Dezember 1629 durch die Errichtung dieses Landgutes als Markgrafschaft belohnt ; sie erhält auch ein Recht der Obergerichtsbarkeit. Die Stadt profitiert von der Entwicklung Lothringens dank seiner vier jährlichen Messen. Im Schatten mächtiger Befestigungen ist die Burg von 1622 an ein Zufluchtsort für die Bürger von Boulay, Saint-Avold, Forbach und Morhange.

1634 lässt Richelieu die Burg niederreißen, 1636 erobern die Schweden die Stadt. Sie sind Verbündete der Franzosen, und ermorden bedeutende Persönlichkeiten und einen Teil des Bürgertums. Nach der Rückkehr des Herzogs von Lothringen Leopold in seinen Staat 1697 und der der Evakuierung der französischen Besatzungstruppen erfolgt ein langsamer Wiederaufbau.

1709 zählt Faulquemont ungefähr 300 Einwohner.

1715 nach dem Tod von Charles Élysée Joseph d’ Haraucourt, der ohne Erben stirbt, gehen die Güter der Markgrafschaft an Anne Claude de Thiard de Bissy über. Sie entstammt einer burgundischen Familie, die ihre Güter bis 1751, dem Datum ihres Todes ohne Kinder, verwaltet.

1725 gewährt Leopold ihr das Recht einen Notar zu ernennen. Dann wandelt er durch eine Verordnung vom 11. Januar 1728 die Markgrafschaft in eine herrschaftliche Vogtei um, die von einem Vogt verwaltet wird, der zugleich Befehlshaber der Polizei und Waldverwalter ist, und von einem Staatsanwalt, von Urkundsbeamten und von Wachtmeistern geholfen wird, die in Faulquemont wohnen.

Faulquemont wird zum Hauptort dieser neuen administrativen Struktur, die sich aus 14 Gemeinwesen zusammensetzt. Berufungsklagen erfolgen dann im Parlament von Nancy.

Foto : Das alte Rathaus von Faulquemont, aus dem XVI. Jahrhundert


Landgut der Familie Choiseul : 1751 - 1789


1751 wird die Markgrafschaft vom Markgraf de Bissy an Marie Gabriel Florent, den Grafen von Choiseul Beaupré, für 625 000 Franc verkauft. Dieser stirbt 1753. Seine Ehefrau Marie Françoise Lallemant aus Betz, Markgräfin von Faulquemont, verwaltet das Landgut von 1753 bis 1789. Trotz der wichtigen Vogtreform in 1751 bleiben dem Grafen von Choiseul alle seine Privilegien erhalten, einschließlich der Rechte einer Vogtei. Die Markgrafschaft wird 1766 in das Königreich Frankreich einbezogen. Die Stadt erlebt einen stetigen Bevölkerungsanstieg mit 1.000 Einwohnern 1789 auf den 4.000 Einwohnern, die zur Markgrafschaft gehören.

Die Markgräfin ist Besitzerin des Zehntrechtes der Kirchengemeinde. Die Bevölkerungszunahme machte den Bau einer neuen Kirche anstelle jener erforderlich, die 1377 errichtet wurde und unserer Lieben Frau gewidmet war. Nicolas Robin, Inspektor der Brücken und Straßen, stellt dafür die Pläne auf. Die neue, dem Heiligen Vincent gewidmete Kirche wird von Pfarrer Lambert am 22. September 1765 geweiht. Die Gesamtheit der Arbeiten wird auf mehr als 20.000 französische Pfund geschätzt.




Ein neuer Kantonshauptort

Durch eine Verordnung vom 14. Dezember 1789 errichtet die konstituierende Versammlung die Departements, darunter jenes der Moselle. Dieses wird in 9 Distrikte gegliedert. Die Markgrafschaft wird aufgeteilt. Faulquemont ist Kantonshauptort im Distrikt von Morhange. Nach zahlreichen Verwaltungsvorfällen wird die Stadt in den Distrikt von Metz 1802 integriert, dann 1870 in den Distrikt von Boulay. Die ersten Jahrzehnte des XIX. Jahrhunderts sind wenig florierend. Kleine Eigentümer, die von der Mischkultur leben, teilen sich ein wenig fruchtbares Land.

Die Bevölkerung nimmt allmählich zu. Sie erreicht 1827 Einwohner im Jahre 1851, Datum der Gründung der neuen am 24. Juli 1851 eingeweihten Eisenbahnstrecke Metz-Saarbrücken.

Kurz danach lässt sich 1855 eine Tabakfabrik nieder, die 1897 durch eine Fabrik für das Ziehen von Metallrohren ersetzt wurde.
Integriert in das Deutsche Reich bis zum Jahre 1918, genießen die Bewohner von Faulquemont, wie die anderen Lothringer und Elsässer den sozialen Fortschritt, der dem Kanzler Bismarck zu verdanken ist. Die Stadt wird wieder französisch im November 1918.





Das Kohlenzeitalter : 1930 - 1974

Nach Probebohrungen, die vor 1914 durchgeführt wurden, stellte man fest, dass sich die bisher bekannte Kohlelagerstätte bis nach Südwesten in die Gegend von Faulquemont erstreckte. Die am 22. Mai 1920 gegründete Gesellschaft der Kohlebergwerke von Faulquemont unternimmt ab 1921 Prospektionen in dem Sektor, der ihr übertragen wurde. Die Konzessionen dieser Gesellschaft belaufen sich auf insgesamt 9.466 Hektar.

Zwei Schächte werden in den Jahren 1933 und 1936 auf dem Gebiet der Gemeinde von Créhange angelegt und 796 Wohnungen gebaut. Bei Ausbruch des Krieges wird die Bevölkerung in die Saône et Loire evakuiert, die Stadtbevölkerung nach Mervans, die Bergleute nach Ecuelles. Das Nazifizierung der Stadt erfolgt von 1940 bis 1944. Die 1932 errichtete Synagoge wird von den Nazis 1940 abgerissen. 11 Personen wurden deportiert und kamen in den Lagern ums Leben.

Die Stadt wird nach schweren Kämpfen am 20. November 1944 durch das 80. US-Infanterieregiment befreit. Der Wiederaufbau erfolgt im Laufe von 30 erfolgreichen Jahren in einer Stimmung voller Optimismus dank der Entwicklung der Kohlegruben von Lothringen. Die Bevölkerung steigt binnen kurzer Zeit von 1.142 auf 5.162 Einwohner.


Das Bergwerk von Faulquemont


Eine mit Erfolg gekrönte, schwierige Umstellung

Die Kohlegrubengesellschaft von Lothringen, die sich des unausweichlichen Rückgangs der Kohleförderung bewusst war, setzt schon ab 1967 die notwendigen Mittel für die Industrialisierung der Region ein, um die Umstellung der Bergarbeiter zu ermöglichen. Die gewählten Vertreter des Volkes errichten ihrerseits am 17. Juni 1970 den Stadtbezirk von Faulquemont, um all ihre Hilfe für die Gründung neuer Unternehmen zu gewähren. Die endgültige Schließung des Bergwerks von Faulquemont wird im Jahre 1974 vorgenommen. Dank der gemeinsamen Anstrengungen der Kohlegruben von Lothringen und des Stadtbezirks entstehen jedoch 2.498 Arbeitsplätze, die auf etwa 60 Unternehmen verteilt sind.

Faulquemont und seine Region entwickeln sich von einer Monoindustrie zu einer diversifizierten Industrielandschaft weiter, damit dieser Landstrich des Niedtales auch künftig blühen und gedeihen wird.